Vier-Strich-Peilung berechnen

Versegelungspeilung mit frei wählbaren Seitenpeilungen — 45° und querab sind voreingestellt.

Peildreieck
s = 2 sm2,8284 sm2 smq = 2 sm1. Peilung2. PeilungObjekt
Kurslinie waagerecht, Winkel und Längenverhältnisse maßstäblich · Längen in sm
Werte eingeben
°
entspricht 4 Strich
°
entspricht 8 Strich
Gefahrene Distanz
sm
Distanz über Grund, aus Log oder GPS

Ergebnis

Querabstand
2 sm

Abstand, mit dem du das Objekt passierst

Entfernung bei 2. Peilung
2 sm
Entfernung bei 1. Peilung
2,8284 sm
Winkel am Objekt δ
45 °
Restweg bis querab
0 sm
Gerechnete Distanz s
2 sm

Gut zu wissen

Das Verfahren setzt gleichbleibenden Kurs und gleichbleibende Fahrt voraus. Strom, Windversatz und Ruderarbeit zwischen den beiden Peilungen verfälschen das Ergebnis — gerechnet wird mit der Distanz über Grund, nicht mit der durchs Wasser gelaufenen.

Klassische Vier-Strich-Peilung: 45° (4 Strich) und querab (90°) ergeben ein gleichschenkliges Dreieck. Der Querabstand ist genau die gefahrene Distanz — dafür braucht man an Bord keinen Rechner.

1

Gegeben: erste Seitenpeilung = 45° (4 Strich), zweite Seitenpeilung = 90° (8 Strich), gefahrene Distanz = 2

2

Winkel am Objekt (Differenz der Seitenpeilungen):

δ = 90° − 45° = 45°

3

Entfernung bei der zweiten Peilung (Sinussatz):

d₂ = s · sin(α1) / sin(δ) = 2 · sin(45°) / sin(45°) = 2

4

Entfernung bei der ersten Peilung:

d₁ = s · sin(α2) / sin(δ) = 2 · sin(90°) / sin(45°) = 2,8284

5

Querabstand zur Kurslinie:

q = d₂ · sin(α2) = 2 · sin(90°) = 2

6

Reststrecke, bis das Objekt querab steht:

r = d₂ · cos(α2) = 2 · cos(90°) = 0

Verwendete Formeln

δ = α2 − α1d₂ = s · sin(α1) / sin(δ)d₁ = s · sin(α2) / sin(δ)q = d₂ · sin(α2)

Vier-Strich-Peilung – Entfernung aus einer Peilung und dem Logbuch

Manchmal ist nur ein einziges Objekt in Sicht. Für eine Kreuzpeilung reicht das nicht – wohl aber für eine Versegelungspeilung: Du peilst das Objekt einmal, fährst geraden Kurs weiter und peilst es ein zweites Mal. Die dazwischen gefahrene Distanz ersetzt die zweite Landmarke. Der bekannteste Fall ist die Vier-Strich-Peilung: erst bei 45° peilen, dann warten, bis das Objekt querab steht – die gefahrene Distanz ist dann genau der Abstand, mit dem du daran vorbeifährst.

Warum das gleichschenklige Dreieck funktioniert

Die drei Ecken sind deine Position bei der ersten Peilung, deine Position bei der zweiten Peilung und das Objekt. Der Winkel am Objekt ist die Differenz der beiden Seitenpeilungen – bei 45° und 90° also 45°. Bei der ersten Peilung beträgt der Winkel im Dreieck ebenfalls 45°. Zwei gleiche Winkel bedeuten zwei gleich lange Schenkel: Die gefahrene Distanz und die Entfernung zum Objekt beim Querabpassieren sind identisch. Das ist der ganze Trick – deshalb braucht die Vier-Strich-Peilung an Bord keinen Rechner, sondern nur einen Blick ins Logbuch.

Vier Strich sind 45 Grad

Der Strich ist die alte seemännische Winkeleinheit: Der Vollkreis wird in 32 Strich geteilt, ein Strich sind also 11,25°. Vier Strich sind 45°, acht Strich sind querab. Die Einheit hält sich, weil sie sich an der Kompassrose ablesen und im Kopf halbieren lässt – „zwei Strich Backbord" ist an Bord schneller gesagt als eine Gradzahl. Der Rechner zeigt jede Eingabe zusätzlich in Strich an.

Der allgemeine Fall: jede Winkelkombination geht

Die 45°/90°-Regel ist nur ein Sonderfall des Sinussatzes. Allgemein gilt: Entfernung bei der zweiten Peilung = gefahrene Distanz · sin(erste Peilung) / sin(zweite Peilung − erste Peilung). Damit kannst du auch peilen, wenn dir die Küste keine Zeit lässt, bis das Objekt querab steht. Eine hübsche Konsequenz aus der Formel: Immer wenn die zweite Peilung doppelt so groß ist wie die erste, kürzt sich der Bruch weg und die Entfernung ist wieder genau die gefahrene Distanz – bei 20°/40° genauso wie bei 30°/60°. Diese „Verdopplung der Seitenpeilung" ist die eigentliche Regel, die Vier-Strich-Peilung nur ihr bekanntester Vertreter, weil bei ihr zusätzlich der Querabstand herausfällt.

Wo das Verfahren an seine Grenzen kommt

Gerechnet wird mit der Distanz über Grund und mit einem geraden Kurs. Setzt dich Strom oder Wind versetzt, ist die Dreiecksseite in Wirklichkeit anders lang und anders gerichtet als angenommen – das Ergebnis wird dann still und leise falsch, ohne dass die Rechnung protestiert. Zweiter Fallstrick: Liegen die beiden Peilungen dicht zusammen, steht im Nenner ein kleiner Sinus, und der Fehler explodiert genau wie beim schleifenden Schnitt der Kreuzpeilung. Deshalb lohnt sich die Geduld – lieber ein paar Minuten länger warten, damit die Peilung deutlich weiter gewandert ist.

📐Die Formeln dahinter

δ = α2 − α1

Der Winkel am Objekt ist die Differenz der beiden Seitenpeilungen. Er ist gleichzeitig der Winkel, um den sich deine Sichtlinie zum Objekt während der Fahrt gedreht hat.

d₂ = s · sin(α1) / sin(δ)

Sinussatz: Die gefahrene Distanz s liegt dem Winkel δ am Objekt gegenüber, die gesuchte Entfernung d₂ dem Winkel α1 bei der ersten Peilung. Ist δ = α1 – also α2 doppelt so groß wie α1 – wird d₂ = s.

q = d₂ · sin(α2)

Der Querabstand ist die Höhe des Dreiecks über der Kurslinie: der Abstand, mit dem du das Objekt passierst. Bei α2 = 90° ist sin(α2) = 1, dann sind Querabstand und Entfernung dasselbe.

s = v · t / 60

Die gefahrene Distanz aus Fahrt über Grund (in Knoten) und Zeitspanne (in Minuten): 6 kn über 20 Minuten sind 2,0 sm. Der Rechner nimmt beide Wege – Distanz direkt oder Fahrt und Zeit.

📝Beispielrechnung

Du läufst mit 6 kn geraden Kurs an einer Landspitze vorbei. Als das Leuchtfeuer 45° an Steuerbord voraus steht (4 Strich), notierst du die Uhrzeit. 20 Minuten später steht es querab – also bei 90°.

  1. 1

    Gefahrene Distanz: s = 6 kn · 20 min / 60 = 2,0 sm.

  2. 2

    Winkel am Objekt: δ = 90° − 45° = 45°.

  3. 3

    Entfernung beim Querabpassieren: d₂ = 2,0 · sin(45°) / sin(45°) = 2,0 sm.

  4. 4

    Querabstand: q = 2,0 · sin(90°) = 2,0 sm – bei querab sind beide Werte gleich.

  5. 5

    Entfernung bei der ersten Peilung: d₁ = 2,0 · sin(90°) / sin(45°) = 2,83 sm.

  6. 6

    Ergebnis: Du passierst die Landspitze mit 2,0 sm Abstand. Steht in der Karte 1,5 sm vor der Spitze eine Untiefe, weißt du jetzt, dass du frei bleibst.

In der Praxis

Der Querabstand ist die seitliche Sicherheitsmarge – die Antwort auf „bleibe ich frei von der Untiefe?". Auf Binnenrevieren kommt die senkrechte Marge dazu, und die hängt nicht an der Geometrie, sondern am Wasserstand: Ob der Mast unter der nächsten Brücke durchpasst, rechnet der Durchfahrtshöhen-Rechner von sportbootnavi.de aus der Bauwerkshöhe und dem aktuellen Pegel. Zusammen sind das die zwei Fragen, die vor jeder Engstelle beantwortet sein sollten: seitlicher Abstand und lichte Höhe.

💬Häufige Fragen

Warum heißt es Vier-Strich-Peilung?

Weil die erste Peilung bei vier Strich genommen wird. Ein Strich ist 1/32 des Vollkreises, also 11,25° – vier Strich sind damit 45°. Die zweite Peilung erfolgt bei acht Strich, also querab (90°).

Warum ist der Querabstand genau die gefahrene Distanz?

Weil das Dreieck aus den beiden Peilpositionen und dem Objekt bei 45° und 90° gleichschenklig ist: Der Winkel am Objekt ist 45°, der Winkel bei der ersten Peilung ebenfalls. Gleiche Winkel heißt gleiche Gegenseiten – die gefahrene Distanz und die Entfernung beim Querabpassieren sind deshalb identisch.

Geht das auch mit anderen Winkeln als 45° und 90°?

Ja, der Rechner ist allgemein gebaut. Der Sinussatz löst jede Kombination, solange die zweite Seitenpeilung größer als die erste ist. Ist die zweite Peilung doppelt so groß wie die erste, ist die Entfernung bei der zweiten Peilung immer genau die gefahrene Distanz – 20°/40° funktioniert also genauso wie 30°/60°.

Was macht Strom mit dem Ergebnis?

Er verfälscht es, ohne sich zu zeigen. Die Rechnung unterstellt, dass du auf geradem Kurs die eingetragene Distanz über Grund zurückgelegt hast. Versetzt dich Strom quer zum Kurs, ist die Dreiecksseite in Wirklichkeit anders gerichtet – die Formel rechnet weiter, aber mit falschen Voraussetzungen. Rechne deshalb mit Distanz über Grund und prüfe das Ergebnis gegen eine zweite Information.

Wann ist die Kreuzpeilung besser?

Wenn zwei geeignete Objekte gleichzeitig zu sehen sind. Die Kreuzpeilung liefert dann sofort einen Standort, während die Versegelungspeilung erst eine gefahrene Strecke braucht und nur eine Entfernung ergibt. Umgekehrt ist die Versegelungspeilung unschlagbar, wenn nur ein einziges Objekt in Sicht ist.

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